3. Juli 2023
Bezirkskonferenz 2023
„Arbeitgeber, nutzt die Chancen des Wandels!“
Horst Ott fordert mehr Engagement beim Wandel der Industrie – Hans-Böckler-Medaille für Bettina Müller und Gerhard Pfaff – Zwei Neue für Bayern im Beirat

Mehr Engagement der Arbeitgeber fordert der bayerische Bezirksleiter Horst Ott beim Wandel der Industrie ein. „Die Transformation birgt große Chancen für die Betriebe und damit auch für unseren Wirtschaftsstandort Deutschland“, betonte er bei der Bezirkskonferenz der IG Metall Bayern. Sein Appell an die Arbeitgeber: „Nutzt sie!“ Ein Schlüssel für das Gelingen des Wandels seien Beteiligung, Mitbestimmung und Qualifizierung der Beschäftigten. „Doch ich habe das Gefühl, mancher Arbeitgeber glaubt noch immer, Transformation sei das Stromhäusl gegenüber“, kritisierte Ott. Eine Einschätzung, die Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der IG Metall, teilt: „Wir finden in den Betrieben teils ernüchternde Zustände vor“, sagte sie. „Vielen Betrieben fehlt schon seit Langem eine konkrete Strategie.“ Das sei fahrlässig. Benner: Dieses Nichtstun kostet Zehntausende, ja vielleicht Hunderttausende Arbeitsplätze.

Mit den von der IG Metall-Bezirksleitung initiierten Transformationsnetzwerken in vier bayerischen Regionen gibt es nach jahrelanger Vorarbeit endlich ein zentrales Instrument vor Ort beim Wandel der Auto- und Zuliefererindustrie. „Transformation muss ökologisch und sozial sein“, erklärte Ott. „Unternehmen, die eine solche Transformation unterstützen, werden in unserer IG Metall eine verlässliche Partnerin haben.“

„Transformation nicht als Deckmäntelchen benutzen“

Ott betonte aber auch: „Unternehmen, die die Transformation nur als Deckmäntelchen nutzen, um Produktion in Billiglohnländer zu verlagern, werden uns als kraftvolle Gegner erleben.“ Denn die IG Metall sieht sich auch mit Entwicklungen konfrontiert, die zwar unter dem Schlagwort Transformation laufen, damit aber eigentlich gar nichts zu tun haben – zumindest nicht mit dem Ende des Verbrenners. Ein aktuelles Beispiel: Magna Mirrors in Dorfprozelten am bayerischen Untermain, wo das Unternehmen den Standort schließen und die Produktion zur puren Gewinnmaximierung nach Osteuropa verlagern will.

Wie kraftvoll IG Metall Bayern und Beschäftigte sind, haben nicht zuletzt die Tarifrunden der vergangenen Monate gezeigt. „Mit eindrucksvollen Warnstreiks haben wir unsere Forderungen gegen die Arbeitgeber durchgesetzt“, sagte Ott. „Funktioniert hat das nur durch den großartigen Einsatz aller IG Metall-Geschäftsstellen und unserer vielen Tausend Vertrauensleute und Betriebsräte.“ Starke Vertrauensleute seien ein Schlüssel dafür, dass die IG Metall noch stärker werde, so Ott. „Deshalb sind die Vertrauensleute-Wahlen 2024 für uns ein ganz wichtiges Projekt, das wir jetzt schon intensiv vorbereiten.“

„Mehr Waffen schaffen keinen Frieden“

Die jüngsten Tarifrunden standen im Zeichen des massiven Anstiegs der Lebenshaltungskosten und Energiepreise. Mitverursacht durch Russlands Krieg gegen die Ukraine. Ein Krieg und dessen Auswirkungen natürlich auch die Friedensgewerkschaft IG Metall stark beschäftigen. Über die gewerkschaftliche Haltung zur aktuellen Sicherheits- und Friedenspolitik wurde auf der Bezirkskonferenz intensiv diskutiert. An das Impulsreferat von Tobias Debiel, Professor am Institut für Entwicklung und Frieden an der Uni Duisburg-Essen, über Chancen und Bedingungen für Friedensverhandlungen, schloss sich eine Diskussionsrunde mit Jürgen Kerner, Hauptgeschäftsführer der IG Metall, Bernhard Stiedl, Vorsitzender des DGB Bayern, Eva Maria Volland von der Münchner Friedensinitiative und Debiel an.

Angesichts des Mangels an Kalkulierbarkeit und Verlässlichkeit hegten viele Zweifel, ob Verhandlungen mit Putin überhaupt möglich seien, erklärte Debiel. Eine Unterstützung der Ukraine aus dem Westen, auch mit Waffen, sieht er als eine unabdingbare Garantie für das Land, damit zumindest kleinere Formate durch Missionen starten könnten. Kerner und Stiedl waren sich darin einig, dass die Ukraine in ihrem Selbstverteidigungsrecht unterstützt werden müsse. Stiedl betonte aber auch: „Ich bin skeptisch, dass mehr Waffen Frieden schaffen.“ Und Volland unterstrich, dass es in diesem Krieg keinen Sieger geben könne, der Krieg deshalb sofort beendet werden müsse.

Böckler-Medaille für Bettina Müller und Gerhard Pfaff

Für ihr herausragendes Engagement für die Gewerkschaftsbewegung haben bei der Bezirkskonferenz Bettina Müller und Gerhard Pfaff vom Vorsitzenden des DGB Bayern, Bernhard Stiedl, die Hans-Böckler-Medaille erhalten.

Bezirkskonferenz der IG Metall Bayern am 30. Juni und 1. Juli 2023 in Unterschleißheim

Bettina Müller engagierte sich seit den 1980er Jahren als Betriebsrätin der IG Metall – unter anderem im Gesamtbetriebsrat der Siemens AG und als Vorsitzende in der Zweigniederlassung der Siemens AG Nürnberg. Als langjähriges Mitglied der Tarif- und Verhandlungskommission für die Metall- und Elektroindustrie in Bayern war die Industriekauffrau an vielen Tarifabschlüssen direkt beteiligt. „Du bist eine gigantische Verhandlerin mit hohem rhetorischen Geschick und einem knallharten Durchsetzungsvermögen“, würdigte Stiedl Müller. „Deine Kolleginnen und Kollegen beschreiben dich als extrem engagiert, humorvoll und menschlich. Du hast zu jeder Zeit ein offenes Ohr. Eine Kollegin auf die man sich immer verlassen kann.“

Gerhard Pfaff trat als Stahlformenbauer-Lehrling in die IG Metall ein. Bereits 1981 wurde er Betriebsrat, 1988 stellvertretender und 1990 Betriebsratsvorsitzender bei Franken Guss Kitzingen, vormals Sachs Gießerei. Der wohl größte Erfolg seiner Betriebsratsarbeit: Der erfolgreiche Kampf um die Arbeitsplätze der ehemaligen Sachs Gießerei bis hin zur Gründung der heutigen Franken Guss Kitzingen. Auch Pfaffs Engagement in der IG Metall war umfassend: als Mitglied im Beirat oder auch ehrenamtlicher 2. Bevollmächtigter der IG Metall Würzburg. „Du stehst für das Prinzip langfristiger Lösungen, statt kurzfristiger Erfolge. Eine Eigenschaft, die in so mancher Verhandlung nützlich ist“, sagte Stiedl. „Aber deine wirklich herausragende Eigenschaft ist deine Menschlichkeit. Du begegnest den Menschen mit Respekt und gehst offen auf sie zu. Eine Kollegin meinte: Wer das Glück hat, Dir zu begegnen, hat sofort den Eindruck, Mensch der Gerhard, der passt!“

Neu im Beirat und in der Bezirkskommission

Rico Irmischer, Udo Fechtner und Benjamin Freund

Die Delegierten der Bezirkskonferenz haben zwei neue Kolleg*innen aus Bayern in den Beirat der IG Metall entsandt, das höchste Entscheidungsgremium zwischen den Gewerkschaftstagen: Udo Fechtner und Benjamin Freund. Fechtner ist als 1. Bevollmächtigter der IG Metall Amberg Nachfolger von Horst Ott und übernimmt nun auch dessen Sitz im Beirat. Freund ist 1. Bevollmächtigter der IG Metall Landshut und übernimmt den Sitz seines Vorgängers Robert Grashei. Und auch die Bezirkskommission, die mit dem Bezirksleiter die gewerkschaftlichen Angelegenheiten in Bayern berät, die Finanzen des Bezirks kontrolliert und dem IG Metall-Vorstand Personalia schlägt, hat ein neues Mitglied: Rico Irmischer, der Jürgen Scholz als 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg nachfolgte.

Auch eine Resolution wurde auf der Bezirkskonferenz verabschiedet. Die IG Metall Jugend fordert in ihrer Entschließung „SOS-Ausbildung. Jetzt handeln für die Zukunft der dualen Ausbildung“ unter anderem mehr betriebliche Ausbildungsplätze, bessere Ausbildungsbedingungen und Perspektiven in allen Branchen sowie mehr Fachpersonal in der dualen Ausbildung.

 

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