In der zweiten Tarifverhandlung für die bayerische Metall- und Elektroindustrie hat der Arbeitgeberverband vbm heute in Coburg ein Reallohn-Minus auf den Tisch gelegt. „Die Arbeitgeber hatten jetzt fünf Wochen Zeit, sich mit unserer Forderung auseinanderzusetzen. Doch was sie uns heute präsentiert haben, hat mit einem respektvollen Angebot nichts zu tun. Damit haben die Arbeitgeber die Chance vertan, innerhalb der Friedenspflicht einen Schritt auf uns zuzugehen“, sagt Bayerns IG Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Horst Ott.
Der Arbeitgeberverband vbm bietet im Juli 2027 eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent des durchschnittlichen Jahresbrutto (664 Euro), die allerdings in Betrieben unterhalb einer bestimmten Gewinnschwelle automatisch entfallen soll. Erst ab Juli 2028 bietet der vbm eine magere Tabellenerhöhung um 1,3 Prozent bei einer Laufzeit des Tarifvertrags bis Ende Dezember 2028. „Die Preissteigerung ist hoch, die wirtschaftliche Entwicklung nimmt Fahrt auf – und die Beschäftigten sollen 20 Monate auf eine Entgelterhöhung warten? Das würde einen heftigen Reallohnverlust bedeuten für die Menschen, die mit ihrer Arbeit die Betriebe am Laufen halten“, kommentiert Ott.
Außerdem wollen die Arbeitgeber das Volumen der automatischen Differenzierung nach unten ausweiten und mit der IG Metall über die Senkung von Krankheitskosten sprechen. Ott fasst zusammen: „Die Arbeitgeber reden nur über Kosten und Krankenstände statt über Zukunft, Investitionen und Beschäftigungsperspektiven. Es gibt kein Bekenntnis zum Standort und zu den Menschen in den Betrieben. Stattdessen sollen sich die Beschäftigten ihre Zukunft durch Verzicht selbst erkaufen, dafür aber keine Garantien bekommen. Ich sage ganz klar: Erst wenn die Arbeitgeber bereit sind, auch selbst Beiträge zu leisten, können wir in dieser Tarifrunde vorankommen.“
Die IG Metall Bayern fordert fünf Prozent mehr Geld für die Beschäftigten und eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 110 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem will die IG Metall Bayern eine tarifliche Gewinnbeteiligung für Beschäftigte in Betrieben mit einer guten wirtschaftlichen Lage sowie eine soziale Komponente zur Besserstellung unterer Entgeltgruppen erreichen. Weiterhin will die IG Metall Bayern zur Absicherung der Arbeitsplätze und Standorte mit dem Arbeitgeberverband über Zukunft und Beschäftigung sprechen.
Ott erläutert: „Mit unserem Forderungspaket wollen wir die Kaufkraft stärken und die Konjunktur ankurbeln. Dabei beweisen wir Augenmaß und berücksichtigen die höchst unterschiedlichen Lagen in den Betrieben und Teilbranchen. Mit der tariflichen Gewinnbeteiligung sollen die Beschäftigten in Boom-Betrieben an den satten Erträgen partizipieren. Wer die Beschäftigten als Partner sieht, muss sie auch am Erfolg beteiligen, nicht nur an den Risiken.“
Vor der Verhandlung demonstrierten insgesamt 3200 Metallerinnen und Metaller aus ganz Bayern zweieinhalb Stunden lang lautstark für ihre Forderungen. Nach einer Demonstration vor Kaeser Kompressoren, dem Betrieb des vbm-Verhandlungsführers, führte ein Demozug zur Kundgebung auf dem Schlossplatz.
Die Friedenspflicht endet mit dem 31. Oktober, danach sind Warnstreiks möglich. Ott: „Wir werden unsere Warnstreik-Vorbereitungen jetzt scharfschalten.“