Der unbefristete Streik für einen Tarifvertrag beim Halbleiter-Logistiker Avnet Logistics in Poing hat am heutigen Montagmittag begonnen. Unmittelbar zuvor war auch die zweite kurzfristig angesetzte Verhandlungsrunde mit dem Arbeitgeber ergebnislos gescheitert. „Der Arbeitgeber hat heute leider seine letzte Chance vertan, den Streik noch abzuwenden. Die Beschäftigten werden den Betrieb jetzt so lange lahmlegen, bis sich das Unternehmen endlich bewegt“, sagt Sibylle Wankel, Erste Bevollmächtigte der IG Metall München.
Am Dienstagvormittag um 10 Uhr findet vor dem Tor von Avnet Logistics eine Streikkundgebung statt (Im Technologiepark 12, 85586 Poing). Neben Wankel und dem IG Metall-Streikleiter Philipp Schlemmer wird dort unter anderen auch Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott zu den Streikenden sprechen. Bereits am Dienstagmorgen um 6:00 Uhr gibt es vor dem Tor eine Solidaritätsaktion mit BMW-Kolleg*innen. Beide Termine eignen sich für Foto- und Filmaufnahmen.
Anfang vergangener Woche hatten 96,12 Prozent der IG Metall-Mitglieder bei Avnet Logistics in einer Urabstimmung für einen unbefristeten Streik gestimmt. Der Arbeitgeber zeigte noch einmal Verhandlungsbereitschaft, woraufhin zwei weitere Verhandlungen stattfanden, die nun aber scheiterten.
Bereits von Dezember 2025 bis März 2026 hatte es fünf ergebnislose Tarifverhandlungen gegeben. Mit einem Warnstreik Anfang März und einem ganztägigen Warnstreik Mitte März hatte die Belegschaft daraufhin den Druck auf den Arbeitgeber erhöht. Doch Avnet reagierte mit der Ankündigung, das Logistikzentrum in Poing bis Ende 2026 zu schließen.
In dem bisher tariflosen Betrieb mit knapp 350 Beschäftigten fordert die IG Metall die Anerkennung der Flächentarifverträge der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Die Flächentarifverträge beinhalten auch verschiedene Instrumente zur Beschäftigungssicherung.
IG Metall-Streikleiter Philipp Schlemmer sagt: „Die Beschäftigten sind es leid, von ihrem Arbeitgeber immer weiter hingehalten zu werden. Trotz guter Geschäfte sind die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen deutlich schlechter als im Flächentarif. Und jetzt sollen die Menschen auch noch ihre Jobs verlieren. Das lassen sie sich nicht länger bieten. Die Beschäftigten werden jetzt mit diesem Streik eine tarifliche Lösung erzwingen.“
Avnet macht mit seinen Produkten einen Milliardenumsatz und erzielt deutlich zweistellige Margen. Der tägliche Warenwert, der das Logistikzentrum in Poing verlässt, liegt teilweise höher als die jährlichen Personalkosten des Standorts. Avnet Logistics übernimmt für konzerneigene Schwesterfirmen die anspruchsvolle Distribution von Halbleitern und anderen Elektronikkomponenten. Von Poing aus werden zahlreiche Kunden in ganz Deutschland beliefert, unter anderen Bosch, Continental, Infineon und Hella.
Der unbefristete Streik ist das schärfste Mittel des Streikrechts, zu dem die IG Metall nur sehr selten greift. Zuletzt war das in Bayern im April 2024 bei der oberpfälzischen Firma Schabmüller in Berching der Fall.