96,12 Prozent der für die Bewegung in Betracht kommenden IG Metall-Mitglieder haben in der Urabstimmung beim Halbleiter-Logistiker Avnet Logistics in Poing bei München für einen unbefristeten Streik gestimmt. „Mit dieser überwältigenden Beteiligung und Geschlossenheit beweisen die Beschäftigten eindrucksvoll, dass sie für einen Tarifvertrag auch in den Arbeitskampf gehen werden“, sagt Betriebsbetreuer Philipp Schlemmer von der IG Metall München.
Zunächst sind jedoch für Donnerstag und Montag weitere Verhandlungstermine mit dem Arbeitgeber angesetzt. Sibylle Wankel, Erste Bevollmächtigte der IG Metall München, erläutert: „Wir wollen ein Ergebnis, deshalb werden wir uns anhören, was sie zu sagen haben. Nach fünf erfolglosen Verhandlungen muss der Arbeitgeber jetzt schnell substanzielle Angebote auf den Tisch legen. Wir lassen uns nicht hinhalten. Die Vorbereitungen für einen unbefristeten Streik laufen weiter.“
In dem bisher tariflosen Betrieb mit knapp 350 Beschäftigten fordert die IG Metall die Anerkennung der Flächentarifverträge der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Die Flächentarifverträge beinhalten auch verschiedene Instrumente zur Beschäftigungssicherung.
Die Beschäftigten bei Avnet Logistics erhalten im Vergleich zum Flächentarifvertrag deutlich weniger Geld, müssen aber länger arbeiten, nämlich 40 Wochenstunden. Sie bekommen kein Urlaubsgeld, kein tarifliches Zusatzgeld (T-ZUG A und T-ZUG B) und kein Transformationsgeld, das monatliche Entgelt liegt unter dem Niveau des Flächentarifvertrags. Im Juni 2025 war eine betriebliche Beschäftigungssicherung ausgelaufen, die der Arbeitgeber nicht verlängern wollte, was große Zukunftsängste in der Belegschaft auslöste.
Daraufhin fanden von Dezember 2025 bis März 2026 fünf Tarifverhandlungen statt, die aber ohne Ergebnis gescheitert sind. Mit einem Warnstreik Anfang März und einem ganztägigen Warnstreik Mitte März hat die Belegschaft eindrucksvoll ihre Courage bewiesen, für einen Tarifvertrag und für ihre Zukunft zu kämpfen. Mitte April folgte dann der Schock für die Beschäftigten: Avnet verkündete, das Logistikzentrum in Poing bis Ende 2026 zu schließen.
Philipp Schlemmer sagt: „Die Menschen akzeptieren nicht, dass sie trotz guter Geschäfte und teils jahrzehntelanger Arbeit am Standort so schlecht behandelt werden und nun sogar ihre Jobs verlieren sollen. Avnet macht mit seinen Produkten einen Milliardenumsatz und erzielt deutlich zweistellige Margen. Der tägliche Warenwert, der das Logistikzentrum in Poing verlässt, liegt teilweise höher als die jährlichen Personalkosten des Standorts. Hier geht es nicht um ein Unternehmen kurz vor der Insolvenz, sondern um eiskalte Gewinnmaximierung auf Spitzenniveau.“
Avnet Logistics übernimmt für konzerneigene Schwesterfirmen die anspruchsvolle Distribution von Halbleitern und anderen Elektronikkomponenten. Von Poing aus werden zahlreiche Kunden in ganz Deutschland beliefert.