Nach intensiven Verhandlungen haben sich die IG Metall und Mahle am Freitagabend auf eine tarifliche Lösung für die Beschäftigten am Standort Neustadt an der Donau geeinigt. Nach vier Tagen Erzwingungsstreik erhalten die Beschäftigten hohe Abfindungen – weit über das übliche Maß hinaus. IG Metall-Mitglieder bekommen darüber hinaus einen zusätzlichen Mitgliederbonus.
„Das Management ist nicht bereit, seine Fehlentscheidung zurückzunehmen. Mit diesem Verhandlungsergebnis ist es gelungen, trotz der Schließung des Standorts wichtige soziale Absicherungen für die Beschäftigten durchzusetzen“, erklärt Rico Irmischer, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg. „Möglich gemacht haben das allein die Entschlossenheit der Belegschaft und ihre Bereitschaft zum Erzwingungsstreik. Ohne diesen Druck hätte sich das Unternehmen nicht bewegt.“
Die konkrete Höhe der Abfindungen ist abhängig vom Alter der Beschäftigten und der Dauer ihrer Betriebszugehörigkeit. Zusätzliche Abfindungen gibt es für Beschäftigte mit Kindern, mit Schwerbehinderung oder Gleichstellung und für Mitglieder der IG Metall. Insbesondere der Mitgliederbonus bringt organisierten Beschäftigten mit langen Mitgliedschaften deutlich mehr Abfindung ein. Außerdem wurde ein Härtefall-Fond sowie eine Transfergesellschaft vereinbart.
Olga Redda, Verhandlungsführerin und Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg, betont den außergewöhnlichen Zusammenhalt der Beschäftigten: „Die Kolleginnen und Kollegen haben in den vergangenen Wochen große Solidarität bewiesen. Die Verhandlungen waren hart und intensiv, doch am Ende konnten wir ein Ergebnis erreichen, das die Folgen der Schließung für viele Beschäftigte deutlich abfedert.“
Auch Peter Meier, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der Verhandlungskommission, hebt die Rolle der Belegschaft hervor: „Die Beschäftigten haben bis zuletzt geschlossen für ihre Interessen gekämpft. Dieser Streik hat gezeigt, was Solidarität bedeutet. Darauf können die Kolleginnen und Kollegen stolz sein.“
Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott zeigt sich ebenfalls beeindruckt vom Einsatz der Beschäftigten: „Die Kolleginnen und Kollegen bei Mahle haben mit großer Solidarität, Mut und Ausdauer gezeigt, welche Stärke entsteht, wenn Menschen gemeinsam für ihre Interessen eintreten. Die Schließung des Standorts in Neustadt wird Mahle nun teuer zu stehen kommen. Unter anderem der Mitgliederbonus ist deshalb mehr als nur ein finanzielles Signal – er ist ein verdienter Ausdruck der Anerkennung für all jene IG Metall-Mitglieder, die diese Bewegung mit Solidarität, Entschlossenheit und großem persönlichem Einsatz getragen haben.“
Der Streik wird fortgesetzt, bis die IG Metall-Mitglieder in einer zweiten Urabstimmung über die Annahme des Verhandlungsergebnisses und die Beendigung des Erzwingungsstreiks abgestimmt haben. Für die Annahme ist eine Zustimmung von mindestens 25 Prozent erforderlich. Die Urabstimmung ist für Montag, den 01.06.2026, geplant.
Hintergrund:
Im Februar hatte Mahle den gemeinsamen Zukunftsprozess für den Standort mit der IG Metall und dem Betriebsrat aufgekündigt, nachdem das Unternehmen eigenständig den Verkauf des Betriebsgeländes und der Werkshallen vorangetrieben hatte. In den darauffolgenden Monaten organisierte die IG Metall mehrere Warnstreiks sowie einen 24-Stunden-Warnstreik. Die Verhandlungen über Zukunftsperspektiven für das Werk, dessen Produktion Mahle in die Slowakei verlagern will, blieben jedoch ohne Ergebnis. Am 12. Mai kündigte Mahle schließlich die Schließung des Werks in Neustadt zum ersten Quartal 2027 an.
Bei Mahle in Neustadt an der Donau arbeiten mehr als 400 Beschäftigte. Produziert werden Klimaanlagen für Fahrzeuge aller Antriebsarten, unter anderem für die Kunden BMW, Porsche, Volvo und Jaguar Land Rover.