Arbeitskampf IG Metall-Mitglieder bei Mahle stimmen Verhandlungsergebnis zu

Urabstimmung mit deutlicher Mehrheit – Streik ist beendet. Bevollmächtigter Irmischer: „Mit diesem hart erkämpften Verhandlungsergebnis konnten wir für die Beschäftigten eine spürbare finanzielle Absicherung durchsetzen.“

Auftakt des Erzwingungsstreiks bei Mahle in Neustadt


Die Mitglieder der IG Metall bei Mahle in Neustadt an der Donau haben in einer Urabstimmung mit deutlicher Mehrheit dem Verhandlungsergebnis über einen Sozialtarifvertrag zugestimmt und zugleich die Beendigung ihres Streiks beschlossen. Damit kann der am vergangenen Freitag zwischen der IG Metall und dem Arbeitgeber vereinbarte Tarifvertrag in Kraft treten – er ist das Ergebnis eines entschlossenen, achttägigen Erzwingungsstreiks.

Im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen des Unternehmens konnte die IG Metall ein Vielfaches an finanzieller Absicherung durchsetzen. Der Sozialtarifvertrag umfasst deutlich verbesserte Abfindungsregelungen mit altersabhängigen Faktoren, Mindestbeträgen und einer hohen Deckelung bei 250.000 Euro. Zusätzliche Zahlungen gibt es für Beschäftigte mit unterhaltspflichtigen Kindern sowie für schwerbehinderte und gleichgestellte Beschäftigte.

Hinzu kommt ein sehr hoher Mitgliederbonus von insgesamt 3,25 Millionen Euro für IG Metall-Mitglieder. Die Höhe der Auszahlung richtet sich nach der Dauer der Mitgliedschaft und bringt insbesondere organisierten Beschäftigten mit langen Mitgliedschaften deutlich mehr Abfindung ein.

Darüber hinaus wurden ein Härtefallfonds sowie eine Transfergesellschaft mit Rechtsanspruch vereinbart. Das Transferkurzarbeitergeld wird auf 80 Prozent des letzten Nettoentgelts aufgestockt. Alternativ zur Abfindung ermöglicht der Tarifvertrag einen gleitenden Übergang in die Rente ab dem 60. Lebensjahr – mit finanziellem Ausgleich.

Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg, erklärt: „Die Schließung dieses wirtschaftlich erfolgreichen Standorts ist und bleibt falsch. Aber wir haben sie für Mahle teuer gemacht – und das ist richtig so. Wer Arbeitsplätze vernichtet, darf damit nicht billig davonkommen. Mit diesem hart erkämpften Verhandlungsergebnis konnten wir für die Beschäftigten eine spürbare finanzielle Absicherung durchsetzen. Ohne den Streik und den großen Einsatz der Beschäftigten wäre das nicht möglich gewesen.“

Peter Meier, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der Verhandlungskommission, hebt den Zusammenhalt hervor: „Die enorme Geschlossenheit war unser größter Trumpf. Die Kolleginnen und Kollegen im Betrieb haben zusammengehalten und konnten sich auf eine breite Solidarität weit über den Standort hinaus verlassen. Umso bitterer ist es, dass die Schließung nicht verhindert werden konnte. Gleichzeitig hat dieser gemeinsame Kampf gezeigt, welche Kraft entsteht, wenn Beschäftigte geschlossen auftreten – so konnten wir das Maximum für uns herausholen.“

Auch Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott würdigt den Einsatz der Beschäftigten: „Insbesondere der Mitgliederbonus ist eine Anerkennung für alle IG Metall-Mitglieder, die mit ihrer Solidarität und ihrem Mut dieses starke Ergebnis erst möglich gemacht haben.“ Zugleich kritisiert Ott das Vorgehen des Unternehmens scharf: „Dass Mahle die Schließung eines funktionierenden Standorts gegen alle Argumente durchdrückt, ist verantwortungslos. Die Menschen hier haben über Jahre geliefert – mit Einsatz, Flexibilität und Verzicht. Und trotzdem wird ihnen die Perspektive genommen. Solche Entscheidungen zerstören Vertrauen und gefährden den Industriestandort Deutschland. Klar ist: Wir nehmen solche Entscheidungen nicht kampflos hin. Wir werden weiter Druck machen.“

Hintergrund:
Im Februar hatte Mahle den gemeinsamen Zukunftsprozess für den Standort mit der IG Metall und dem Betriebsrat aufgekündigt, nachdem das Unternehmen eigenständig den Verkauf des Betriebsgeländes und der Werkshallen vorangetrieben hatte. In den folgenden Monaten organisierte die IG Metall mehrere Warnstreiks bis hin zu einem 24-Stunden-Warnstreik. Die Verhandlungen über Zukunftsperspektiven für das Werk, dessen Produktion Mahle in die Slowakei verlagern will, blieben jedoch ohne Ergebnis. Am 12. Mai kündigte Mahle schließlich die Schließung des Werks in Neustadt zum ersten Quartal 2027 an, obwohl tragfähige Alternativkonzepte vorlagen.

Am Standort Neustadt an der Donau sind mehr als 400 Beschäftigte tätig. Produziert werden Klimaanlagen für Fahrzeuge verschiedener Antriebsarten, unter anderem für BMW, Porsche, Volvo und Jaguar Land Rover.