Die IG Metall Bayern und der vbm – Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie e. V. haben einen Tarifvertrag zum regionalen Personaleinsatz (TV RPE) abgeschlossen. Dieser Tarifvertrag ermöglicht die regionale Arbeitnehmerüberlassung zwischen zwei Betrieben der Metall- und Elektroindustrie zum Zwecke der Vermeidung von Kurzarbeit, der kollektiven Absenkung der Arbeitszeit und Entlassungen. Beschäftigte können also vorübergehend in anderen Betrieben eingesetzt werden, um eigene Einkommensverluste zu vermeiden und unterschiedliche Kapazitätsauslastungen in den Betrieben auszugleichen. Zur Verhinderung von Entlassungen ist auch die Erprobung einer Beschäftigungsperspektive in einem neuen Betrieb möglich. So können Beschäftigte und Unternehmen zugleich von diesem Tarifvertrag profitieren, der rückwirkend zum 1. April 2026 in Kraft tritt.
Horst Ott, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, erläutert: „In manchen Betrieben gibt es aktuell nicht genug Arbeit, in anderen fehlen Fachkräfte für die Menge an Aufträgen. Liegen solche Betriebe örtlich nah beisammen, kann es für Beschäftigte eine gute Möglichkeit sein, durch einen vorübergehenden Wechsel des Betriebs ihr Einkommen zu sichern, wenn ihnen Kurzarbeit oder sogar eine kollektive Arbeitszeitabsenkung drohen. Denn im anderen Betrieb erhalten Beschäftigte das gleiche Entgelt wie zuvor. Nur Beschäftigte, die zustimmen, kommen für einen solchen Einsatz in Frage. Bei Ablehnung dürfen ihnen keine Nachteile entstehen. Grundsätzlich ist zudem die Zustimmung des Betriebsrates erforderlich, damit ein Unternehmen diesem Tarifvertrag beitreten kann. Damit sichern wir eine sachgemäße Anwendung. Wir erwarten zwar keine flächendeckende Nutzung dieses neuen Tarifvertrags, doch in bestimmten Situationen kann er für Beschäftigte und Betriebe ein gutes Instrument sein, um Entgelt, Beschäftigung und Fachkräfte zu sichern. IG Metall und vbm beweisen damit einmal mehr, wie sich mit Tarifverträgen flexible und mitbestimmte Rahmenbedingungen gestalten lassen.“
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des vbm – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V., betont: „Der TV RPE ist eine innovative Lösung in konjunkturell und strukturell herausfordernden Zeiten. Er ist ein Instrument zur Krisenbewältigung, gerade bei schwieriger Beschäftigungslage und Personalüberhang. Von der Überlassung von Beschäftigten zwischen Betrieben profitieren nicht nur die betroffenen Unternehmen, sondern auch die betroffenen Beschäftigten. So wird beim entleihenden Betrieb ein Personalüberhang vermieden und die Remanenzkosten der Kurzarbeit entfallen, beim leihenden Betrieb entstehen keine personellen Engpässe. Die Betriebe sind durch den Tarifvertrag von den strengen gesetzlichen Regelungen befreit, die sonst bei der Arbeitnehmerüberlassung gelten. Aus unserer Sicht ist das eine Win-Win-Situation für zwei Betriebe. Aber auch die Beschäftigten profitieren einerseits durch die Vermeidung von Kurzarbeit, die das monatliche Entgelt senkt, und andererseits durch die Chance einer möglichen neuen Beschäftigungsperspektive. Denn unser Ziel muss es immer sein, den Beschäftigungsabbau in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie zu stoppen und umzukehren. Der TV RPE ist eines von vielen geeigneten Mitteln dafür.“