Die Tarifkommission der IG Metall Bayern für die Metall- und Elektroindustrie hat am heutigen Dienstag in Reichertshofen die bayerische Forderung für die anstehende Tarifrunde beschlossen. Die IG Metall Bayern fordert fünf Prozent höhere Entgelte und eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 110 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Ein Teil der Erhöhung der Ausbildungsvergütungen kann zur finanziellen Mobilitätsunterstützung genutzt werden, etwa für den Erwerb eines Führerscheins.
Außerdem will die IG Metall Bayern in der Tarifrunde eine tarifliche Gewinnbeteiligung für Beschäftigte in Betrieben mit einer guten wirtschaftlichen Lage sowie eine soziale Komponente zur Besserstellung unterer Entgeltgruppen erreichen. Weiterhin will die IG Metall Bayern zur Absicherung der Arbeitsplätze und Standorte mit dem Arbeitgeberverband über Zukunft und Beschäftigung sprechen.
Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott begründet die Geldforderung: „Die wirtschaftliche Lage in den Betrieben und Teilbranchen ist höchst unterschiedlich. Während die Auto- und Zulieferindustrie schwächelt, boomen die Luft- und Raumfahrt, die Medizintechnik und auch die Rüstungsindustrie geradezu. Zudem zeigen aktuelle Wachstumsdaten und -prognosen eine deutliche wirtschaftliche Erholung. Gleichzeitig belasten die Preissteigerungen nicht nur an den Zapfsäulen die Beschäftigten erheblich. In dieser Gesamtlage wäre eine Lohnzurückhaltung völlig unangemessen. Mit unserer Forderung beweisen wir Augenmaß, stärken die Kaufkraft der Beschäftigten und setzen damit einen Wachstumsimpuls durch die Stärkung der Binnennachfrage.“
Zur Forderung nach einer überproportionalen Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 110 Euro erläutert Ott: „Auszubildende sind heute älter, eigenständiger und mobiler als noch vor Jahrzehnten. Sie spüren die Preissteigerungen noch heftiger, besonders in den Großstädten mit den exorbitanten Mieten. Ein Führerschein ist mittlerweile für Auszubildende aus der eigenen Tasche praktisch nicht mehr zu bezahlen.“
Mit einer sozialen Komponente will die IG Metall Bayern auch die Beschäftigten in den unteren Entgeltgruppen zusätzlich entlasten. „Beschäftigte mit niedrigem Einkommen geben einen größeren Anteil ihres Budgets für Grundbedürfnisse wie Wohnen, Energie und Lebensmittel aus. Sie sind also überproportional belastet, deshalb wollen wir sie auch überproportional finanziell stärken“, sagt Ott.
Mit dem Element einer tariflichen Gewinnbeteiligung reagiert die IG Metall Bayern auf die stark differenzierte wirtschaftliche Lage in den Betrieben. Ott: „Wir haben etliche Betriebe, die satte – teils zweistellige – Gewinne einfahren. Die dortigen Beschäftigten erwarten zurecht eine Beteiligung am Unternehmenserfolg, den sie ja selbst mit erarbeitet haben.“
Zur Gesprächsinitiative der IG Metall für Zukunft und Beschäftigung sagt Ott: „Natürlich wollen wir mit den Arbeitgebern in dieser Tarifrunde auch über die Zukunft der Arbeitsplätze und Standorte sprechen. Der anhaltende Stellenabbau und die Standortverlagerungen gefährden die Substanz unserer industriellen Wertschöpfung. Wir brauchen Investitionen in neue Produkte, Technologien und Qualifizierung von Beschäftigten.“
Die bundesweit einheitliche Forderung beschließt der Vorstand der IG Metall am morgigen Mittwoch. Die erste Tarifverhandlung in Bayern findet am 8. Oktober in München statt. Der Entgelt-Tarifvertrag läuft am 31. Oktober aus, dann endet auch die Friedenspflicht. In der bayerischen Metall- und Elektroindustrie arbeiten aktuell rund 836.000 Beschäftigte.