Angesichts neuer alarmierender Zahlen zum Stellenabbau in der bayerischen Industrie will die IG Metall Bayern gemeinsam mit den Arbeitgebern und der Staatsregierung eine Initiative für Arbeit und Aufschwung starten. „Wir brauchen ein klares Bekenntnis zum Standort Bayern und zur Industrialisierung neuer Technologien in Bayern. Wir brauchen konkrete Vereinbarungen, wie wir gezielt die lokale Wertschöpfung mit Investitionsförderungen stärken können“, sagte Bezirksleiter Horst Ott am heutigen Freitag bei der Jahres-Pressekonferenz der IG Metall Bayern in München. Ott kündigte an, mit diesem Vorschlag zeitnah auf die Staatsregierung und die Arbeitgeber zuzugehen.
Auslöser für den Vorstoß ist eine umfassende Erhebung der IG Metall zur Entwicklung der Arbeitsplätze in ihren Branchen in Bayern. Demnach bauen aktuell 41 Prozent der Betriebe Stellen ab, in der Auto- und Zulieferindustrie sind es sogar 54 Prozent der Betriebe. Die Höhe des aktuellen Stellenabbaus beträgt insgesamt 32.000, davon 18.000 in der Auto- und Zulieferindustrie. Demgegenüber stehen nur 20 Prozent der Betriebe (15 Prozent in der Auto- und Zulieferindustrie), die insgesamt 3000 Stellen aufbauen. Für diese Erhebung hat die IG Metall Daten von 547 Betrieben in Bayern zusammengetragen.
Länger arbeiten? Absurde Debatte!
Ott kommentierte: „Diese Betriebe bauen nicht nur ‚Stellen‘ ab, sondern Menschen. Einige werden entlassen. Viele erhalten Abfindungen oder werden vorzeitig in Altersteilzeit geschickt. Gleichzeitig fordern die Arbeitgeberverbände, dass die Beschäftigten mehr und länger arbeiten sollen. Das ist absurd. Die Menschen, die dort ihre Arbeitsplätze verlieren, wollen arbeiten – sie werden aber von ihren Arbeitgebern abserviert.“
Statt zu handeln, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie zu steigern, zettelten Arbeitgeberverbände und die Union eine unverschämte Debatte über faule Beschäftigte und den Sozialstaat an, kritisierte Ott: „Die Arbeitgeber und die Union überspannen mit ihrer Kampagne gegen die arbeitende Bevölkerung den Bogen. Diese dreisten Kahlschlag-Debatten verunsichern die Menschen und bringen kein Wachstum.“
Ungerechte Steuerpolitik
Die eigentlichen Baustellen seien die Abhängigkeiten von China bei Lieferketten und Rohstoffen, fehlende lokale Wertschöpfung in Zukunftsbranchen, verschleppte Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Transformation sowie eine ungerechte Steuerpolitik. Laut DIW besitzen die reichsten 0,1 Prozent der Bevölkerung (69.000 Personen) ein Fünftel des gesamten Privatvermögens. „Diese Personengruppe sollte einen größeren Beitrag leisten, um unsere Wirtschaft fit zu machen. Und nicht hart schuftende Beschäftigte durch weniger Rente und selbst bezahlte Zahnarzt-Besuche“, so Ott, der für eine gerechtere Erbschaftsteuer und eine Vermögensteuer plädierte.
Offenes Ohr für die Sorgen der Beschäftigten
Bei den Betriebsratswahlen von März bis Mai will die IG Metall ihre Position in den Betrieben weiter stärken. „Die IG Metall ist die starke Kraft in den Betrieben und setzt sich dort Tag für Tag erfolgreich für die Interessen der Beschäftigten ein. Wir haben ein offenes Ohr für die Sorgen, Ängste und auch die Wut der Beschäftigten und laden sie ein, gemeinsam mit der IG Metall an einem Strang zu ziehen: mit Solidarität für Zukunft und Perspektiven“, sagte Ott. Im Zuständigkeitsbereich der IG Metall gibt es in Bayern 1200 Betriebe mit einem Betriebsrat-Gremium und insgesamt rund 11.000 Betriebsrät*innen. Über 70 Prozent der Betriebsrät*innen sind IG Metall-Mitglieder.
Ott kündigt an, dass die IG Metall entschlossen, selbstbewusst und mit großer Beteiligung der Beschäftigten in die nächste Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie im Herbst gehen werde. Die Forderung werde bis September intensiv in den Betrieben und der Tarifkommission beraten. „Klar ist: Die Beschäftigten und ihre Kaufkraft müssen ein Träger des wirtschaftlichen Aufschwungs werden“, so Ott.
Analog zum Rückgang der Beschäftigtenzahl in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie um fast drei Prozent und aufgrund der demografischen Entwicklung ist auch die Mitgliederzahl der IG Metall in Bayern im Vorjahresvergleich auf 352.000 gesunken. Im bundesweiten Vergleich ist die Entwicklung verhältnismäßig stabil. Gleichzeitig haben sich mehr als 19.000 neue Mitglieder für die IG Metall entschieden. Bei den Auszubildenden ist die Mitgliederzahl um 1,6 Prozent auf 15.000 gestiegen, obwohl es weniger neue Ausbildungsstellen gibt. Ott: „Das zeigt: Werte wie Solidarität und eine starke Interessenvertretung sind für junge Menschen von großer Bedeutung.“